Interview mit der Kita HeimatHafen

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Kita Heimathafen

Interview mit der Kita HeimatHafen

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In Hamburg gibt es über 1.000 Kindertageseinrichtungen und trotzdem haben wir in vielen Bezirken einen Mangel an Betreuungsplätzen. Mit der Neueröffnung der Kita HeimatHafen in diesem Jahr gibt es nun endlich in dem Bezirk Ohlsdorf eine weitere Kita. Selbst als die Kita noch im Bau war, waren alle Plätze bereits weg.

Jana Neugebauer und Astrid Homann haben diese Kita gegründet und sind damit in die Selbständigkeit gegangen. Wir wollten mehr über ihre Geschichte und das Konzept erfahren.

 

Warum habt ihr beschlossen eine Kita zu eröffnen?

Wir beide haben jahrelang als Erzieher gearbeitet und waren sehr unzufrieden. Hinter vielen Kitas sitzen in der Geschäftsführung keine Pädagogen. Dies hat zur Folge, dass diejenigen die das Konzept bestimmen keine Ahnung vom Alltag haben und es so für die meisten Erzieher schwierige Umstände sind, in denen sie arbeiten. Einfache und praktische Ideen wie zum Beispiel angrenzende Ruheräume bei den Gruppen gibt es in vielen Kitas nicht, obwohl sie den Alltag ungemein erleichtern. Die Arbeit wurde trotz Trägerwechsel für uns immer schwieriger. Das schlimmste war es einmal 18 Krippenkinder zu betreuen im Alter zwischen 7 Monaten und 3 Jahren. Wie soll man als Erzieher dort allen Kindern noch gerecht werden?

 

Was musstet ihr dafür tun, um eine Kita zu eröffnen?

Es gab jede Menge zu tun. Unsere Vorbereitung für dieses Projekt hat über ein Jahr gedauert. Während unserer Vollzeittätigkeit als Angestellte in einer Kita, haben wir mit sehr vielen Behörden gesprochen und uns abgestimmt. Angefangen haben wir mit der Vorstellung unseres Konzepts bei der BASFI. Dann haben wir uns mit Vorlagen vom Gesundheitsamt, der Feuerwehr, der Landesunfallkasse und der Baubehörde vertraut gemacht. Da jede Kita in Hamburg einem Dachverband beitreten muss, machten wir uns auf die Suche nach einem zu unserem Konzept passenden Verband. Überdies hinaus mussten wir eine geeignete Immobilie finden, die Bankfinanzierung klären, einen Anwalt für die Unternehmungsgründung finden und schließlich einen Steuerberater engagieren.

 

War es schwierig geeignete Räumlichkeiten zu finden?

Bei der Trägerberatung sagte man uns, dass es grundsätzlich kein Problem ist eine Kita zu eröffnen, doch eine geeignete Immobilien zu finden dauert im Schnitt in Hamburg 3 bis 4 Jahre. Wir haben daher relativ zeitnah angefangen alle Makler in Hamburg anzuschreiben und unser Gesuch zu beschreiben. Leider haben wir nie eine Antwort erhalten. Daher haben wir uns bei bekannten Online-Immobilienportalen angemeldet und uns selbst auf die Suche begeben. Wir hatten Glück und haben innerhalb von 3,5 Monaten diese Immobilie gefunden. Anfänglich war es sicherlich nicht einfach die Mitmieter des Hauses zu überzeugen, doch mittlerweile sind alle Ängste und Sorgen, was den Geräuschpegel oder die Sauberkeit angeht, ausgeräumt. Wir sind sehr glücklich eine solch zentrale Lage mit hellen Räumlichkeiten und einem angrenzenden Spielplatz bekommen zu haben.

 

War es schwierig gute Erzieher zu finden?

Ehrlich gesagt, haben wir über das Arbeitsamt leider keine adäquaten Erzieher gefunden. Wir haben dann den unkonventiellen Weg über ebay-Kleinanzeigen gewählt und haben so viele gute Bewerber gehabt, sodass wir uns die Besten ausgewählt haben.

 

Was steckt hinter eurer Kita?

Wie der Name schon verrät geht es hier um einen HeimatHafen. Unsere Erzieher haben das schon so verinnerlicht, dass sie manchmal die Zeit vergessen, wenn es Feierabend heißt, weil sie sich einfach angekommen fühlen. Da wir beide auf eine gemeinsame Erfahrung von über 26 Jahren im Gruppendienst kommen, wissen wir was wir von unseren Mitarbeitern erwarten können und das stärkt das gute Betriebsklima.

Unser Konzept verfolgt den situativen Ansatz, das heißt es wird geschaut was jedes Kind und jede Gruppe braucht und danach entschieden. Es gibt keine starren Vorgaben wie zum Beispiel, dass montags immer der Tag für den Spielplatz ist. So kann individuell entschieden werden. Wir wollten einen klassischen Kindergarten mit geschlossenen Gruppen aufmachen, so wie wir ihn auch aus unserer Kindheit kannten. Viele Eltern wollen ihr Kind schon früh selbst entscheiden lassen oder gar bilingual, musikalisch oder sportlich fördern. Wir folgen dem Leitsatz „wenn ein Kind keine Bindung hat, dann lernt es nichts“. Für uns ist die Bindung entscheidend und nicht das Angebot. Außerdem sollen Kinder auch Kinder sein.

Wir haben uns bewusst für einen kleinen Kindergarten mit 3 Gruppen entschieden. Es soll persönlich sein und jeder soll jeden kennen.

 

Was gebt ihr anderen Leuten mit, die das auch probieren wollen?

Kraft, Durchhaltevermögen und sich nicht von Allen wahnsinnig machen lassen. Als Tipp können wir euch auf den Weg geben, dass ihr euch als erstes einen Dachverband sucht, selbst als Privatperson ist dies schon möglich. Am Anfang haben wir nur 25 Euro im Monat bezahlt und die Investition lohnt sich alle mal. Wir haben durch unseren Ansprechpartner beim Dachverband Checklisten erhalten, Firmen genannt und selbst Vertragsvorlagen bekommen. Ohne unseren Ansprechpartner dort, hätten wir womöglich das eine oder andere Mal aufgegeben.

 

Und noch eine letzte Frage. Die Wartelisten sind in Hamburg ein großes Problem. Wie können wir gemeinsam schaffen, dass jeder einen Kita-Platz bekommt und nicht Jahre warten muss?

Als erstes muss die Panikmache aufhören. Wir haben viele Mamas, die auch schon schwanger herkommen und sich auf die Warteliste setzen lassen. Das ist echt Wahnsinn. Dann sollten die Kitas sich schneller entscheiden und die Eltern auch absagen. Häufig rufe ich wegen einem Platz 5 Eltern an, die dann schon alle woanders einen Platz haben. Das ist wirklich nicht fair gegenüber den anderen Eltern.

 

Vielen Dank für das offene Interview. Der HeimatHafen ist eine tolle Idee zweier Powerfrauen, die hoffentlich noch mehr Leute ermutigen eine Kita zu eröffnen. Denn diese braucht Hamburg dringend!

Ich habe mir selbst ein Bild gemacht und kann nur die Daumen hoch halten für diesen Kindergarten, der zum einen aufgrund der Größe sehr persönlich ist und zum anderen das Leitbild so konsequent verfolgt, dass sich hier jeder wie im HeimatHafen fühlt.

 

Elisa

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