Interview mit einem männlichen Erzieher

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Männliche Erzieher

Interview mit einem männlichen Erzieher

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Die Anzahl an männlichen Erziehern in Kitas und Horte ist in den letzten Jahren angestiegen und dennoch dominiert in dem Beruf immer noch das weibliche Geschlecht.

In der Kita meines Sohnes gibt es einige männliche Erzieher, allerdings wird die Gruppe meines Lütten nur von weiblichen Erzieherinnen betreut. Das finde ich sehr schade, da ich denke, dass beide Geschlechterrollen vorhanden sein sollten und das jedes Geschlecht in diesem Beruf gewisse Vor- und Nachteile mit sich bringt.

Wie gut, dass ich einen engen Freund habe, der Erzieher ist und ich ihn mal über die Vor- und Nachteile in diesem Beruf als Mann interviewen durfte.

Tobi ist 34 Jahre und arbeitet seid neun Jahren an einer Grundschule in einem kooperativen Hort. Der Hort fällt zu einem Teil unter das Kita Gesetz und es arbeiten dort sieben Erzieherinnen und drei Erzieher und eine Sozialpädagogin.

 

Warum bist du Erzieher geworden?

Tobi: Ehrlich gesagt bin ich Erzieher geworden durch das BIZ (Berufsinformationszentrum). In der neunten Klasse mussten wir dahin und in einem Test konnte man dann angeben, was man für Hobbys hat und welche Interessen man verfolgt. Bei mir kam unter anderem als Vorschlag der Beruf des Erziehers als Ergebnis heraus.

Da ich früher immer schon gut mit Kindern klar gekommen bin und noch dazu viel als Gruppenleiter aktiv war, wollte ich das dann auch ausprobieren.

 

Was glaubst du können männliche Erzieher besser als weibliche Erzieherinnen?

Tobi: Na ja, schöne Frage…ich finde, das kommt auf den jeweiligen Erzieher und auf die jeweilige Erzieherin an. Ich würde generell nicht sagen, dass es Dinge gibt, die Männer besser können oder Frauen besser können. Allerdings ist für die Kinder klar, dass der Mann besser als männliches Vorbild dienen kann. Gerade heutzutage bei der Anzahl an allein erziehenden Müttern ist das natürlich für viele Jungs auch wichtig, weil ihnen auch zu Hause ein männliches Vorbild fehlt. Aber das hat halt damit zu tun, dass man einfach „Mann“ ist. Es bedeutet nicht, dass man deswegen gleich besser qualifiziert ist für diesen Beruf.

 

Was können männliche Erzieher schlechter?

Tobi: Man glaubt vielleicht an die Klischees, dass Männer besser zum Beispiel im handwerklichen Bereich sind, aber das ist quatsch. Wir haben in unserer Einrichtung auch Erzieherinnen die gut mit Holz arbeiten können und Angebote zu dem Thema machen. Das Einzige, dass mir dazu noch einfällt ist, dass gerade Jungs die versuchen ihre Grenzen auszutesten und ihre Kräfte messen wollen, eher einen männlichen Erzieher dazu brauchen. Als männlicher Erzieher kann man sich beim Kräfte messen dann doch besser durchsetzen. Wenn dass eine Frau versucht, kommt das bei den Jungs nicht so gut an.

 

Was sind die größten Herausforderungen für dich in deinem Beruf?

Tobi: Dort wo ich arbeite, haben wir sozusagen eine Mulit-Kulti-Einrichtung. Wir haben viele verschiedene Nationalitäten mit den unterschiedlichsten Vorgeschichten von den Kindern. Das ist natürlich für mich eine große Herausforderung, weil man halt immer wieder anders reagieren und immer wieder anders auf die Kinder eingehen muss. Das kann man natürlich auch generell sagen: Kinder sind genauso Menschen wie wir Erwachsene und so sind auch Kinder jeden Tag unterschiedlich gelaunt. Es ist kein Tag wie der Andere. Es wird immer anders reagiert und es gibt auch Kinder, bei denen man das Gefühl hat, dass man jeden Tag wieder von vorne anfängt. Nervlich ist das manchmal schon eine große Herausforderung.

 

Hast du Vorteile als männlicher Erzieher in diesem Beruf (z.B. bei den Kindern, in der Gesellschaft, im Freundeskreis)?

Tobi: Natürlich habe ich Vorteile, weil es nicht so viele männliche Erzieher gibt, wie weibliche Erzieherinnen. Und da häufiger der Papa zu Hause fehlt, als die Mutter, suchen diese Kinder auch eher den Kontakt zu mir. Es kommt aber auch immer auf den einzelnen Erzieher und die einzelne Erzieherin an. Wie bist du am Ende in der Lage, die Kinder mitzunehmen, welche Angebote bietest du an und wie verhältst du dich den Kindern gegenüber. Auch habe ich vielleicht Vorteile, was die Aufstiegsmöglichkeiten betreffen. Viele Arbeitgeber versuchen männliche Erzieher zu halten, indem sie Ihnen Stellen mit mehr Stunden anbieten. Da haben wir zu Zeit als Männer doch noch Vorteile, wenn wir unsere Arbeit gut machen.

 

Hast du Nachteile als männlicher Erzieher in diesem Beruf?

Tobi: Also, ich würde sagen, nein!

 

Ist es Eltern egal, ob ihr Kind einen männlichen Erzieher oder eine weibliche Erzieherin bekommt?

Tobi: Das ist sehr unterschiedlich. Da kommt es auf die Eltern an, da kommt es auf die Vorgeschichte an, sind die Eltern getrennt oder noch zusammen. Viele Faktoren spielen eine Rolle. Einige Eltern haben sicherlich bedenken bei männlichen Erziehern, weil dann wieder in der Presse irgendwo Kinder missbraucht wurden von Erziehern, aber damit hatte ich bisher keine Probleme.

 

Warum sollten mehr Männer deiner Meinung nach den Beruf des Erziehers wählen?

Tobi: Es sollen mehr Männer den Beruf des Erziehers wählen, weil es für alle Kinder wichtig ist. Alle Kinder, ob Junge oder Mädchen profitieren davon, ein männliches und weibliches Vorbild zu haben. Das sind natürlich in erster Linie die Eltern, aber auch wenn die Kinder in der Kita oder im Hort sind, dann sind sie von teilweise von 8:00 Uhr morgens bis am späten Nachmittag dort. Auch da ist es für sie wichtig, einen Ausgleich zu haben. Dafür müssen aber mehr Stellen geschaffen werden, bei denen die Männer Vollzeit arbeiten können. Der Großteil der Männer ist auch heute noch für die Familie als Hauptverdiener zuständig. Daher sind Vollzeitstellen und eine gute Bezahlung Grundvoraussetzungen für diesen Beruf.

 

Lieber Tobi,

vielen lieben Dank für das spannende und informative Interview. Ich hoffe, das mein Sohn auch bald einien tollen Erzieher bekommt. Hab du weiterhin ganz viel Spaß in deinem Beruf und wir hoffen doch mal, es noch mehr Männer gibt, die Erzieher werden wollen.

 

Kathrin

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